4. Workshop "Archive von unten" pdficon_large.gif

Berlin, 18. und 19. Juni 2009
Im Archiv Grünes Gedächtnis der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin

Inhalt

AG Überlieferungsbildung / Teil 1

Donnerstag, 18.06.2007, 13.30 - 15.00 Uhr; Moderation: Nina Matuszewski; Protokoll: Désirée Verheyen, Anne Vechtel

Schwerpunkte: Welche Dokumentarten und Themen werden gesammelt? Entstehen die Bestände eher zufällig oder systematisch? Wie werden sie bearbeitet? Inputs von Beate Rieple (Dokumentationszentrum und Museum für die Migration in Deutschland, Köln) und Günther Siedbürger sowie Manuel Schaper (beide Hans-Litten-Archiv, Göttingen).

Kurvorstellung der Archive DOMiD und Hans-Litten-Archiv

DOMiD:

  • Bestände entstehen systematisch und zufällig, durch Ausstellungsprojekte mit gezielten Sammlungsaufrufen in Zeitungen und besonders durch persönliche Kontakte.
  • Gesammelt werden Fotos, Dias, Plakate, Postkarten, digitale Audiodateien, Videos, LPs und CDs, Presseausschnitte, auch viele dreidimensionale Gegenstände.
  • Genutzt werden die Bestände für eigene Ausstellungen oder für Kooperationen mit anderen Museen.
  • Zugänglich sind die Bestände über die Datenbank Faust.

Hans-Litten-Archiv:

  • Gesammelt werden Publikationen, Flugschriften, Buttons, Fotos, Dias, Fahnen, Transparente, Presseausschnitte, auch Luftballons.
  • Bestände entstehen vor allem über den Kontakt zu den verschiedenen Gliederungen und die benachbarte Bundesgeschäftsstelle der Roten Hilfe e.V. sowie durch einzelne Spenden und Akquise; ansonsten ist die Bestandsbildung eher zufällig.
  • Die Rahmenbedingungen sind ungünstig. Das Archiv verfügt nur über wenig Raum und knappe Finanzmittel, es gibt keine angemessenen Aufbewahrungsmöglichkeiten.
  • Es gibt ein Akzessionsbuch, allerdings noch keine Datenbank.
  • Sporadisch werden Dokumente digitalisiert.
  • 160 Plakate wurden in den letzten Wochen im Rahmen eines Praktikums aufgenommen und in eine Excel-Tabelle eingepflegt, für eine genauere Aufnahme ist keine Software vorhanden.

Diskussion: Wie entsteht das Sammlungsprofil, wie erfolgt die Bestandsaufnahme bei den anderen Archiven? Welche Kriterien gibt es? Wie wird entschieden, was gesammelt und was kassiert wird? Wie bauen freie Archive die Gegenüberlieferung auf und wie sichern sie diese?

Politische Parteilichkeit und Perspektive der Sammlungs- und Bestandsbildnerinnen bilden den Rahmen für das Profil. Gesammelt werden Dokumente aus der Opposition zur offiziellen Politik und Öffentlichkeit. Hervorgehoben wird, dass sowohl systematisch wie zufällig gesammelt wird. Eine besondere Schwierigkeit stellen dabei politische Konjunkturen, neue theoretische und politische Entwicklungen dar, die zu Anpassungen und Neuausrichtungen des Sammlungsprofils zwingen können.

Reinhart Schwarz vom Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) berichtet, dass Diskussionen bezüglich der Bestandsaufnahme immer wieder entstehen, und das Hamburger Institut sich auf Materialien zur Protestbewegung zwischen 1949 und 1989 beschränkt. Das Sammlungsprofil schließt Großorganisationen aus. Das HIS legt einen Schwerpunkt auf die Region Hamburg, dem Einzugsgebiet der Nutzer und Nutzerinnen.

Sabine Balke vom Spinnboden Lesbenarchiv hebt hervor, dass sich die Systematik der Bestände auch mit gesellschaftlichen Strömungen ändert. Als Beispiel nennt sie den § 218.

Reiner Merker vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte hebt hervor, dass das erste Kriterium bei der Bestandsaufnahme die Frage sein sollte, wie die Nutzer und Nutzerinnen nach Materialien suchen.

Sammlungsgegenstände und - inhalte sollten klar definiert werden, bevor die Frage danach gestellt wird, wie die Bestände akquiriert werden. Ziel sollte sein, "Inhalte zu sammeln, von denen man noch nicht weiß, dass sie überhaupt existieren".

Antje Pfeffer resümiert, dass eigentlich alle Archive auf die Netzwerke um sie herum angewiesen sind, aus denen sie meistens auch entstanden sind. Die Pflege der Kontakte innerhalb dieser Netzwerke sowie die Arbeit an der Bekanntmachung des eigenen Archivs sollte daher Ziel jedes Archivs sein.

Birgit Rehse vom FU Universitätsarchiv und Ursula Nienhaus vom Frauenforschung-, Bildungs- und Informationszentrum Berlin (FFBIZ) plädieren für die Abgabe von Videos an staatliche Archive wie das Bundesarchiv oder die Stiftung Deutsche Kinemathek. So kann die richtige Aufbewahrung der Videos gesichert werden.

Jürgen Bacia vom Archiv für alternatives Schrifttum (Afas) warnt vor Abgaben an staatliche Archive. Es gehe schließlich gerade darum, "Gegenarchive" aufzubauen. Solche Kooperationen können nicht der Königsweg sein.

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AG Überlieferungsbildung / Teil 2

Donnerstag, 14.06.2007, 15.30.00 - 17.30 Uhr; Moderation: Christoph Becker-Schaum; Protokoll: Désirée Verheyen, Robert Camp

Schwerpunkte: Wie stellen freie Archiv sicher, dass die Bewegungen, als deren Teil sie sich definieren, archiviert werden? Inputs von Sabine Balke (Spinnboden, Lesbenarchiv und Bibliothek, Berlin) und Jörg Wittmann (Umweltbibliothek Großhennersdorf)

Jörg Wittmann stellt die Umweltbibliothek Großhennersdorf vor:

  • Sammlungsschwerpunkt ist vor allem die Dokumentation der DDR-Oppositionsbewegung bis 1989.
  • Finanziert wird die Umweltbibliothek über Projekte u.a. der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten. Sie erhält keine institutionelle Förderung.
  • Die Umweltbibliothek wird insbesondere für Ausstellungen, für die Erstellung von Unterrichtsmaterialien, für Lesungen, Filmdokumentationen und Vorträge genutzt.
  • Über Öffentlichkeitsarbeit kommen die Bestände in die Umweltbibliothek.

Reiner Merker vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte merkt an, dass die DDR-Oppositionsbewegung nicht durch das Datum 1989 begrenzt werden kann.

Ein Verbund von Archiven, die sich der DDR-Oppositionsbewegung widmen, war bereits angedacht. Eine Zusammenarbeit wird allerdings nicht aktiv gepflegt.

Sabine Balke stellt das Spinnboden Lesbenarchiv vor:

  • Sammlungsschwerpunkt ist "alles von und über Lesben bundesweit". Neue politische und theoretische Entwicklungen, wie die Queer-Bewegung, die Diskussion um Gender, fordern die Arbeit am Sammlungsprofil immer wieder heraus.
  • Das Archiv dient mittlerweile auch als Kontakt- und Informationsstelle, die Workshops, Seminare und Lesungen organisiert.
  • Finanziert wird das Archiv über die Senatsverwaltung Wirtschaft, Frauen und Technologie und über private Spenden.
  • Mit anderen Frauen- und Lesbenarchiven aus dem Dachverband IDA sowie mit dem Schwulen Museum Berlin wird z.T. bereits seit Jahren kooperiert.
  • Über Öffentlichkeitsarbeit, wie die Präsentation des Archivs auf Straßenfesten und Veranstaltungen, kommen die Bestände in das Archiv.

Diskussion: Wie eng ist die Verbindung der Archive zur Bewegung, die sie dokumentieren? Wird Überlieferung aus zeitlicher, personeller Distanz oder aus der aktiven Vernetzung der Archive mit ihren Bewegungen gebildet?

Andrea Walter vom Archiv Aktiv Hamburg sieht hier keinen Widerspruch. Archiv Aktiv ist sehr nah an der Bewegung. Gleichzeitig will Archiv Aktiv aber auch die Geschichte der Bewegung archivieren und ein "Bewegungsarchiv von heute" sein.

Auch für Sabine Balke vom Spinnboden Lesbenarchiv ist die Nähe zur heutigen Frauenbewegung direkt erfahrbar. Diskussionen um theoretische Konzepte wie z.B. Feminismus/Gender oder politische Veränderungen in den Bewegungen, denen das Archiv sich zugehörig fühlt, zwingen immer wieder zur Positionierung und auch zu Profilveränderungen.

Diskussion: Welchen Stellenwert hat die Bibliothek gegenüber dem Archiv?

Jürgen Bacia legt den Schwerpunkt vor allem auf die Sammlung rarer Literatur, insbesondere grauer Literatur.

Holger-Isabelle Jänicke vom Archiv Aktiv betont, dass das Archiv Vorrang gegenüber der Bibliothek hat. Bücher sind häufig auch an anderer Stelle für die Nutzer und Nutzerinnen erhältlich.

Jörg Wittmann versteht die Umweltbibliothek Großhennersdorf in erster Linie als Ergänzungsbibliothek. Aufgenommen werden vor allem Bücher, die andere auch öffentliche Bibliotheken nicht haben.

Reiner Merker hebt hervor, dass eine Handbibliothek notwendig für die Arbeit der Archivare, aber auch die der Nutzerinnen im Archiv ist.

Exkurs

Zum Umgang mit der Herausgabe von Fotos: Was passiert, wenn Fotos "wild veröffentlicht" werden?

Irena Kukutz vom Robert Havemann Archiv betont, dass sich die Nutzer und Nutzerinnen selbst um die rechtliche Absicherung der Veröffentlichung sowohl in Auseinandersetzung mit den Fotografen als auch mit den abgebildeten Personen kümmern müssen. Geben die Archive die Fotos aus rechtlichen Gründen überhaupt nicht mehr heraus, sind sie für die Öffentlichkeit verloren.

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AG Serviceleistungen

Freitag, 19.06.2007, 10.00 - 11.00 Uhr; Moderation: Cornelia Wenzel; Protokoll: Désirée Verheyen, Mareike Himme

Schwerpunkt: Gibt es Benutzungs- und Gebührenordnungen, werden auch elektronische Leistungen davon erfasst? Werden Gebühren erhoben und sind diese eine relevante Einnahmequelle?

Inputs von Antje Pfeffer vom Archiv der Jugendkulturen Berlin und Ulli Jentsch vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin.

Diskussionspunkte waren:

Wie viel Serviceleistung und Betreuung möchte ein Archiv anbieten? Wie kann es mit der massiven Zunahme von Anfragen fertig werden?

  • Gute Serviceleistungen sind gute Öffentlichkeitsarbeit fürs Archiv, aus denen sich Kooperationen z.B. bei Veröffentlichungen entwickeln können, von denen auch das Archiv profitieren kann.
  • Wenn nicht alle Anfragen bearbeitet werden können, wie soll dann ausgewählt werden? Sollten Kosten so hoch gesetzt werden, dass Anfragende abgeschreckt werden? Sollte zwischen wichtigen und unwichtigen Anliegen unterschieden werden?

Wie sollten Serviceleistungen, z.B. Bibliographien und Presseauswertungen erstellen, Zusendung von Dokumentdateien oder hoher Beratungsaufwand, berechnet werden, und was ist angemessen?

  • Ver.di empfiehlt für vergleichbare Leistungen 300 Euro pro Recherchetag. Ist für die meisten Nutzerinnen freier Archive völlig unrealistisch. Als Minimum für Rechercheleistungen pro Stunde könnten 40 € angesetzt werden. Nutzer müssen alternativ für die eigene Arbeit vor Ort im Archiv geworben werden. Beratungsleistungen (persönlich, eMail oder Telefon) fallen bisher fast vollständig aus einer finanziellen Berechnung raus, nehmen aber zunehmend Zeit in Anspruch.
  • Problematisch ist, dass es oft schwierig ist vorher zu kalkulieren, wie lang eine Recherche dauern wird, die Leute aber wissen müssen, ob sie die Leistung zu dem Preis in Anspruch nehmen möchten.

Was spricht für, was gegen eine höhere Berechnung von Serviceleistungen?

  • Würdigung der Arbeit und des Aufwandes. Geld für Serviceleistungen bleibt schlicht eine symbolische Entschädigung. Die Deckung der Kosten von Archiven findet ohnehin über andere Quellen statt. Dies gilt für freie wie staatliche Archive. Freie Archive wollen nicht reine Dienstleister sein, sondern mit Nutzern und Nutzerinnen ins Gespräch kommen, die durch sehr hohe Kosten von Archivbesuchen und Nutzungen abgeschreckt werden könnten.
  • Aus der Perspektive vieler Nutzerinnen ist es problematisch, Geld vorrangig aus Gründen der Wertschätzung der Materialien zu verlangen. Das könnte dazu führen, dass Forschungsvorhaben nicht umgesetzt werden können, da viele Studenten und Journalistinnen im prekären Bereich arbeiten und an eine echte Bezahlung der Service- und Rechercheleistungen überhaupt nicht denken können.
  • Langfristig gesehen wird aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Umgang mit und die Bezahlung von digitalen Leistungen wichtiger werden.

Wie ist das digitale Abfotografieren von Dokumenten durch Nutzer zu bewerten, wie sollte damit umgegangen werden?

  • Die Einnahmen durch Kopien nehmen in vielen Archiven ab, weil viele Nutzerinnen Dokumente digital abfotografieren. Diese neue Nutzungspraxis wird bisher unterschiedlich gehandhabt: von kostenlos, gegen Spende bis zu bezahlt. Das Universitätsarchiv der FU Berlin nimmt z.B. 5 Euro für 50 Dateien.
  • In Einzelfällen ist das Abfotografieren kostenlos, dafür werden die Dateien für das Archiv zurückerbeten. Dies ist aufgrund der Qualität der Digitalisate und aus Copyright-Gründen aber keine verallgemeinerbare Lösung. In einigen Archiven werden Verträge unterschrieben, in denen die Nutzung der Dateien nur für darin festgehaltene Zwecke festgelegt wird.
  • Das Hamburger Institut für Sozialforschung verabredet sich mit den Nutzern z.B. zu einem Fototermin. Eine HIS-Mitarbeiterin ist immer anwesend.
  • Offen bleibt, warum es Vorbehalte gegen das kostenlose Abfotografieren gibt, wenn es letztendlich nicht um das Geld geht, und darüber hinaus das digitale Fotografieren viel schonender für die Dokumente ist als kopieren?

Ist es legitim, Nutzerinnen und Nutzer in Gebührenfragen unterschiedlich zu behandeln?

  • Es besteht Einigkeit darüber, dass eine unterschiedliche Behandlung von Nutzern sinnvoll und gerechtfertigt ist. Unterschieden wird zwischen kommerziellen und bewegungsmotivierten Nutzerinnen. Die Grenzziehung ist allerdings nicht ganz einfach, weil die Bedürftigkeit von Personen nicht überprüft und abfragt werden kann und soll.
  • Für öffentliche oder öffentlich geförderte Archive und Bibliotheken stellt sich dagegen die Frage, ob eine unterschiedliche Behandlung erlaubt ist und wenn ja, ob diese an bestimmte Kriterien gebunden ist.

Weitere Fragen der Diskussion waren:

  • Wird auch die Veröffentlichung von Dokumenten an sich berechnet (für die Nutzungsrechte, nicht nur bei Urheberrechten)?
  • Sollen/ müssen die Serviceleistungen offizieller Teil einer Gebührenordnung werden? Inwiefern bleibt dann noch Spielraum? Öffentliche Einrichtungen müssen ohnehin eine Gebührenordnung haben.
  • Ursula Nienhaus erinnert daran, dass es bei den Lesben- und Frauenarchiven eine Einigungen über Gebührenentgelte gibt, auf die sich die Archive gegenüber ihren Nutzerinnen berufen können, was sich als sehr sinnvoll erwiesen hat.

Weiteres Vorgehen: Die Archive, die Gebührenordnungen und/oder Vorschläge für den Umgang mit Serviceleistungen haben, die für andere Archive interessant sein könnten, sollten diese über die Mailingliste freiearchive zur Verfügung stellen. Wer noch nicht an der Liste teilnimmt, kann sich an Christoph Becker-Schaum wenden: Becker-Schaum@boell.de

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Zum Stand der Diskussion mit dem Verband Deutscher Archivarinnen und Archivare

Freitag, 19.06.2007, 11.00 - 12.00 Uhr; Moderation: Anne Vechtel; Protokoll: Anna Sailer, Chrsitoph Becker-Schaum

Jürgen Bacia berichtet vom Stand der Kooperation mit dem Verband Deutscher Archivare und Archivarinnen (VDA):

  • Vor 2 Jahren Anstoß anlässlich des dt. Archivtages in Mannheim: Cornelia Wenzel vom Archiv der deutschen Frauenbewegung, Reiner Merker vom Thüringer Archiv für Zeitgeschichte und Jürgen Bacia vom Archiv für alternatives Schrifttum wurden eingeladen, über die freie Archivlandschaft zu berichten.
  • Mai 2006 erster Artikel im Archivar (Verbandszeitschrift des VDA), Aussageschwerpunkt: In der Archivierung gibt es Lücken der Wirklichkeitsrepräsentation, wenn die Erfahrungen der sozialen Bewegungen fehlen.
  • Wegen guter Resonanz, u.a. vom VDA-Vorsitzendem Robert Kretzschmar und positiver Einstellung des aktiven Vorstands fanden Gespräche statt, bei denen es darum ging abzuklären, wie Archive aus sozialen Bewegungen, wie die freie Archivlandschaft Beiträge einbringen kann, die andere nicht leisten können, und wie der VDA Hilfestellung geben kann.
  • Da im Herbst 2009 ein neuer VDA-Vorstand gewählt wird, wurde recht kurzfristig der Arbeitskreis "Überlieferungen der Neuen Sozialen Bewegungen" (AK NSB in VDA) eingerichtet. Mitglieder aus unserem Kreis sind derzeit: Jürgen Bacia, Cornelia Wenzel, Reiner Merker, Nina Matuszewski, Anne Vechtel. Dieser AK ist damit offizielles Organ des VDA. Im Gründungsprotokoll (siehe Anhang) wurden Leitlinien für Art und Ziele der Arbeit festgehalten. Der VDA stellt keine finanziellen Ressourcen, aber Hilfestellungen in Form von Fortbildungen, Archivberatungen, Gutachten o.ä. in Aussicht.
  • Die Gründung des AK wurde im Archivar bekannt gegeben. Das AK-Treffen auf dem kommenden Archivtag im September 2009 in Regensburg wurde nur aufgrund der Kurzfristigkeit nicht ins offizielle Programm aufgenommen. Beim nächsten Mal ist es ganz normaler Veranstaltungsteil und dementsprechend gekennzeichnet
  • Der AK macht nur Sinn, wenn von Seiten der Archive von unten Aktivitäten angeschoben werden oder Angebote aktiv in Anspruch genommen werden. Jürgen Bacias Vorstellung ist es, mithilfe des AK 2-3 Jahre auszuloten, wie fruchtbar eine Zusammenarbeit mit dem VDA für die Archiv von unten ist, und worin der Mehrwert der Kooperation bestehen könnte

Diskussionspunkte:

Name des Arbeitskreises

  • Es gibt Kritik am Namen des AKs, da bei dem Namen "Neue Soziale Bewegungen" nicht verständlich wird, wer darunter fällt. Beispielsweise ist die Frauenbewegung keine Neue Soziale Bewegung, und daher strenggenommen nicht von dem AK-Namen erfasst wird
  • Die AK-Gründerinnen waren sich bewusst, dass der Begriff nicht alles abdeckt, und auch Robert Kretzschmar hatte darauf verwiesen. Der Begriff hatte sich schlicht unter der Hand eingebürgert, auch aus Mangel an Einigung auf einen passenden anderen Namen. Jürgen Bacia sieht die Bezeichnung des AK für nicht so relevant an, dass es lohnenswert wäre, hierüber nun größere Auseinandersetzungen zu führen. Ohnehin sei der AK aus seiner Perspektive zunächst eine mittelfristige Sache, bei der es erst mal darum gehe, Zusammenarbeitsmöglichkeiten auszuloten.

Wie könnte die konkrete Zusammenarbeit fachlich aussehen?

  • Teilnahme an Fortbildungen des VDA, Bedarf für Handreichungen und fachliche Unterstützung feststellen, Erarbeitung eines "Handbuch der Freien Archive", Vorstellungen der freien Archive im Archivar
  • Der AK könnte beim Archivtag 2010 eine Veranstaltung anbieten.

Was könnte die Kooperation für einen Nutzen haben?

  • Ein Austausch mit dem VDA über notwendige Ressourcen für freie Archive wird von Reiner Merker dahingehend beantwortet, dass klar ist, dass derzeit keine finanziellen oder aufwendigen Gaben vom VDA zu erwarten sind und das deshalb auch nicht Thema bei der Vorbereitung der Zusammenarbeit mit dem VDA war. Auf der informellen Gesprächsebene sei für die freien Archive möglicherweise etwas zu erreichen, insbesondere mit dem Vorstand, der die Aktivitäten der Archive von unten befürworten und ggf. gute Worte einlegen kann. Eine so verbesserte Wahrnehmung könne man zwar schlecht in Zahlen ausdrücken, es sei aber wichtig.
  • Wenn wir Bestände langfristig sichern wollen und wollen, dass diese als sicherungswert anerkannt werden, dann ist es wichtig dass wir von der etablierten Archivszene wahrgenommen werden.
  • Wenn etablierte Archive über uns Bescheid wissen, dann können sie Nutzerinnen auch zielgerichteter an uns verweisen.
  • Informationen vom VDA kommen im Gegenzug auch leichter bei uns an und können in Anspruch genommen werden, wie z.B die Schnuppermitgliedschaft, die dieses Jahr die Teilnahme am Regensburger Archivtag günstiger macht.
  • Christoph Becker-Schaum weist darauf hin, dass in den nächsten Jahren in der etablierten Szene verstärkt die "Archivierungswürdigkeit von Materialien aus Sozialen Bewegungen" diskutiert werden wird, und wir da gut aufgestellt sein sollten. Dies wurde von Robert Kretzschmar angestoßen, Michael Dieffenbacher wird dies im VDA eventuell fortführen.

Zum Selbstverständnis des AK NSB im VDA und sein Verhältnis zu den Workshops Archive von unten

  • Es fällt das verschiedene "wir" auf: wir als Teil der Archivlandschaft, wir als Teil der Sozialen Bewegungen. Je nachdem, wo der eigene Schwerpunkt liegt, liegen auch die Kooperationsinteressen unterschiedlich. Grundsätzlich ist es sinnvoll, Lobbyarbeit bei den etablierten Archiven zu betreiben, es wird aber auch Archive von unten geben, für die z.B. regionale Kooperation attraktiver sind. Das ist in Ordnung, denn diese unterschiedlichen Kreise schließen sich nicht aus, sondern können sich ergänzen.
  • Die Workshops der Archive von unten in den neuen AK des VDA zu überführen, wird von niemandem als sinnvoll oder erstrebenswert angesehen. Die Unabhängigkeit auch die politische Unabhängigkeit soll erhalten bleiben. Pressemitteilungen wie anlässlich der Durchsuchung des Umbruch Bildarchivs Berlin vor 2 Jahren wären schwierig umzusetzen. Als Teil des VDA würden wir dessen Satzung unterliegen.
  • Beim neuen AK NSB im VDA geht es jetzt darum, eine arbeitsfähige Gruppe aufzubauen. Sinnvoll ist ein kleinerer fester Kreis von Leuten. Punktuell und themenbezogen könnten weitere Interessenten dazukommen.
  • Dieser AK sollte ein Standbein und Kommunikationsraum zusätzlich zu den Workshops der Archive von unten alle 2 Jahre sein.
  • Gewarnt wurde vor der Gefahr, dass sich der AK NSB im VDA zu einer Art "Gremium" der freien Archive gegenüber dem VDA entwickelt. Der AK setzt sich aus denen zusammen, die daran interessiert sind und dafür Zeit und/oder Geld haben. Es wurde noch mal deutlich gemacht, dass die dort Aktiven sich nicht als Delegierte/Vertreterinnen sehen sollten. Unsere Struktur ist und bleibt der Workshop Archive von unten.
  • Deutlich wurde aber auch, dass das Selbstverständnis des AKs noch nicht ganz geklärt ist. Er soll nicht als Sprachrohr oder vertretungsorientiertes Repräsentationsorgan für die Archive von unten gesehen werden, sondern eher ein Arbeitskreis im klassischen Sinn sein. Gleichzeitig sollen mit seiner Hilfe aber auch die Anliegen der Archive von unten in die etablierte Szene hinein kommuniziert werden. Zurzeit scheint von diesem möglichen Widerspruch keine Gefahr in Richtung Machtmissbrauch auszugehen. Es soll aber darauf geachtet werden.

Weiteres Vorgehen

  • Dagmar Nöldge und Ursula Nienhaus vom FFBIZ Berlin, Ursula Silge vom Lila Archiv Berlin, Katharina Braun vom Bremer Frauenarchiv und Dokumentationszentrum Belladonna haben Interesse bekundet, zum AK NSB Treffen beim Archivtag in Regensburg zu kommen.
  • Christoph Becker-Schaum erklärt sich bereit, die Koordination eines alternativen Abendessens während des Archivtags zu übernehmen (parallel zum offiziellen Abendessen).

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Abschlussplenum

Freitag, 19.06.2007, 12.30 - 14.00 Uhr; Moderation: Reiner Merker; Protokoll: Mareike Himme, Gabriele Giwan

Feedback zum Workshop

  • Insgesamt positive Rückmeldungen zur Atmosphäre, Zufriedenheit mit Inhalten und Ergebnissen sowie mit der Abendgestaltung im Archiv Grünes Gedächtnis
  • Die Vorstellung der Archive am Donnerstagnachmittag war zu lang. Verbesserungsvorschläge: pro Archiv nur noch eine Vorstellung. Ein Vorschlag von Cornelia Wenzel aus der Praxis der Frauenarchivetreffen: von jedem Archiv wird vorab ein Papier mit grundsätzlichen Informationen an alle Teilnehmerinnen geschickt, so dass in der Runde Zeit für aktuelle Projekt- und Problemvorstellung bzw. einen Überblick der letzten zwei Jahre bleibt. Vorstellungsrunde ist am Spätnachmittag/Frühabend sinnvoll, weil der Erfahrungsaustausch dann nahtlos in den abendlichen Ausklang auf den Balkonen übergehen kann.
  • Positiv war, dass die Inputs in die Arbeitsgruppen und andere Beiträge von unterschiedlichen Personen und Einrichtungen kamen, was die Breite der Bewegungsarchivelandschaft spiegelte.
  • Es wurde der Wunsch geäußert, in Zukunft ergebnisorientierter und intensiver zu arbeiten. Vorgeschlagen wurde, während des Workshops kleinere und mehrere getrennte Arbeitsgruppen zu bilden, um auf bestimmte Thematiken konkreter eingehen zu können. Dafür spricht, dass mehr archivfachliche Themen berücksichtigt werden könnten. So würde auch der Interessentenkreis für die Workshops (wieder) breiter werden können. Eine Möglichkeit wäre, AG-Phasen punktuell einzusetzen. Dagegen spricht, dass dann mehr aneinander vorbeilaufen wird und nicht alle, alles mitbekommen können.
  • Ob und wenn ja, wie soll und kann die Arbeit aus dem Workshop für die Öffentlichkeit aufbereitet werden. Welche Pressearbeit für welche Veröffentlichungen möchten wir?

Weiteres Vorgehen:

  • Die Vorbereitungsgruppe für den 5. Workshop behält alle Vorschläge im Auge.
  • zur Verstetigung der Ergebnisse aus den Workshops Archiv von unten und zur Verbesserung der Kommunikation wird die Internetseite Bewegungsarchive ab jetzt geführt.

Die Website www.bewegungsarchive.de wurde nach dem 2. Workshop reserviert. Bisher kommt man so aber nur auf die Seiten der hbs/des AGG zu den bisherigen Workshops. Nina Matuszewski hat einen Vorschlag für Basisinformationen gemacht. Simon Vennebusch bietet an, die Pflege einer solchen Seite zu übernehmen.

Cornelia Wenzel und Jürgen Bacia planen, ein Handbuch der Freien Archive zu erstellen. Auch dies könnte für das Internetportal genutzt werden. Darüber sollte beim nächsten Workshop im Juni 2011 diskutiert werden.

Weiteres Vorgehen: Nina Matuszewski schickt über die Mailingliste ihren Textvorschlag an alle und richtet bei doodle ein Abstimmungsforum ein. Reinhard Schwarz klärt das Angebot des Hostings über das Hamburger Institut für Sozialforschung. Robert Camp vom Archiv Grünes Gedächtnis klärt die Übergabe von einem Host zum anderen.

Themenwünsche für den 5. Workshop Archive von unten im Juni 2011

  • Wie könnte/sollte man sich nach Außen als Archive von unten präsentieren? Möchten wir eine regelmäßige Pressearbeit? Wer könnte das machen und was wären unsere inhaltlichen Vorstellungen?
  • Fortführung der AG 2 Überlieferungsbildung vom 4. Workshop 2009 mit dem Schwerpunktthema: Wie stellen freie Archiv sicher, dass die Bewegungen als deren Teil sie sich definieren, archiviert werden?
  • Wie kann die Betreuung v.a. hinsichtlich elektronischer Überlieferungen der Sozialen Bewegungen sichergestellt werden?
  • Finanzierungsmöglichkeiten über Projekte
  • digitale Langzeitarchivierung und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten
  • Es besteht Interesse an vertiefenden Ein-Tages-Veranstaltungen zu einzelnen Fachthemen, die zwischen den alle 2 Jahre stattfinden Archivetreffen vom AGG organisiert werden. Das Thema Rechtsfragen kann im Rahmen eines solchen Fachtreffens 2010 stattfinden. Wer Interesse hat, kann Themenwünsche bei Anne Vechtel anmelden: vechtel@boell.de
  • Absprachen zur Vorbereitung des nächsten Workshop Archiv von unten
  • Die Themenfindung soll, ähnlich wie bei diesem Mal, per Mail stattfinden. Die Vorbereitungsgruppe sammelt die Vorschläge, die bei diesem Workshop und zwischendurch gemacht wurden und noch gemacht werden.
  • der Vorbereitungskreis für den 5. Workshop im Juni 2011 besteht aus: Anne Vechtel, Antje Pfeffer, Christoph Becker-Schaum, Conny Wenzel, Jürgen Bacia, Reiner Merker

Sonstige Absprachen:

  • Im Archivar soll ein Artikel über den Workshop erscheinen. Vorgesehen ist, dass Ursula Nienhaus ihn schreibt, und Andrea Walter sie unterstützt.
  • Zur Verbesserung der Kommunikation wird die Anwesenheitsliste kopiert und an alle Anwesenden verteilt.
  • Wer auf die Mailingliste freiearchive möchte, meldet sich bei Christoph Becker-Schaum: becker-schaum@boell.de
  • Der 5. Workshop Archive von unten findet am 9. und 10. Juni 2011 im Archiv Grünes Gedächtnis, Berlin statt.

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